Was unterscheidet Lean von Six Sigma, und wann kombiniert man beides?
Lean in zwei Sätzen
Lean kommt aus dem Toyota Production System (Taiichi Ohno, ab 1948). Ziel: Maximaler Kundennutzen mit minimaler Verschwendung. Die 7 Muda-Typen: Überproduktion, Wartezeit, Transport, Überbearbeitung, Bestände, Bewegung, Fehler. Toyota erfand zusätzlich Mura (Unregelmäßigkeit) und Muri (Überlastung). Die Methoden sind pragmatisch und visuell: Kanban-Boards, 5S, Wertstromanalyse, Gemba-Walks. Lean ist eher Haltung als Methode, kontinuierlich, dezentral, mit dem Team.
Six Sigma in zwei Sätzen
Six Sigma wurde 1986 von Bill Smith bei Motorola entwickelt und durch Jack Welch bei GE (1995) zum Konzern-Standard. Ziel: höchstens 3,4 Fehler pro Million Möglichkeiten, das ist „Six Sigma“ (sechs Standardabweichungen vom Mittelwert bis zur Toleranzgrenze). Die Methode ist DMAIC: Define, Measure, Analyze, Improve, Control, eine fünfstufige Projektphase mit klaren Tools (SIPOC, Pareto, Ishikawa, Hypothesentests, Regelkarten). Six Sigma ist top-down, statistisch fundiert, mit Rollen-Hierarchie (Yellow Belt, Green Belt, Black Belt, Master Black Belt).
Die Unterschiede auf einen Blick
Fokus: Lean = Geschwindigkeit + Fluss; Six Sigma = Qualität + Streuung. Mathematik: Lean = wenig; Six Sigma = viel (Hypothesentests, ANOVA, Regression). Tools: Lean = Kanban, 5S, VSM; Six Sigma = SIPOC, DMAIC, Control Charts. Teamstruktur: Lean = alle Mitarbeiter; Six Sigma = ausgebildete Belt-Träger. Zeithorizont: Lean = kontinuierlich, kleine Schritte; Six Sigma = Projekte mit 3–6 Monaten Laufzeit. Erfolgskennzahl: Lean = Durchlaufzeit, WIP; Six Sigma = Cpk, DPMO.
Die Gemeinsamkeiten
Beide starten beim Kunden (Lean: „Wert“; Six Sigma: „Critical to Quality“). Beide arbeiten datenbasiert, beide nutzen Visualisierung, beide fordern Management-Commitment, und beide misstrauen Bauchgefühl-Verbesserungen. Wer einen Prozess umbaut, ohne vorher zu messen, betreibt weder Lean noch Six Sigma.
Lean Six Sigma · die Kombination
Praxis-Erfahrung zeigt: Wer nur Six Sigma macht, optimiert Prozessschritte, die man besser komplett streichen könnte. Wer nur Lean macht, baut zwar schlank, aber die Streuung bleibt. Lean Six Sigma kombiniert beides in einer Reihenfolge: erst Wertstrom analysieren und Verschwendung eliminieren (Lean), dann mit DMAIC die verbleibenden Schritte stabilisieren (Six Sigma). George Group prägte den Begriff Anfang der 2000er, Michael L. George schrieb das Standardwerk „Lean Six Sigma“ (2002).
Wann was wählen?
Wähle Lean, wenn Durchlaufzeit, Bestände oder Übergaben das Hauptproblem sind. Wähle Six Sigma, wenn Qualität schwankt, Reklamationen häufen oder Toleranzen knapp werden. Wähle Lean Six Sigma, wenn der Prozess sowohl langsam als auch fehlerhaft ist, was im Service-Bereich (Banken, Versicherungen, Healthcare) meist der Fall ist.
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