Bullwhip-Effekt (Peitscheneffekt)
Phänomen, bei dem kleine Nachfrageschwankungen beim Endkunden sich entlang der Lieferkette stromaufwärts immer stärker verstärken. Systematisch beschrieben von Lee, Padmanabhan und Whang (Stanford, 1997). Vier Hauptursachen: Demand-Signal-Processing, Order-Batching, Preis-Schwankungen,…
Procter & Gamble entdeckte in den 1990ern, dass Pampers-Bestellungen entlang der Lieferkette wild schwankten, obwohl der Endkundenbedarf stabil war. Die akademische Analyse (Lee et al., Management Science 1997) wurde zur Grundlage des heute klassischen Phänomens, das im „Beer Distribution Game“ am MIT simuliert wird.
Vier Ursachen
1) Demand-Signal-Processing: jede Stufe extrapoliert eigene Bestellungen. 2) Order-Batching: monatliche Bestellungen statt kontinuierlicher Flow. 3) Preis-Schwankungen: Aktionen führen zu Vorratskäufen. 4) Rationing/Shortage-Gaming: bei Knappheit wird übertrieben bestellt.
Gegenmittel
POS-Daten-Sharing (CPFR), EDI für kleinere Bestellzyklen, Vendor-Managed Inventory, EDLP-Preise, Allocation auf historische Verkäufe statt aktuelle Bestellungen.
Beispiele aus der Praxis
Beispiel Konsumgüter: Endkundennachfrage Toilettenpapier schwankt ±2%. Großhandel sieht ±15%, Hersteller ±40%, Zellstoff-Lieferant ±80%, klassische Verstärkungs-Kaskade.
Beispiel Halbleiter 2020–2022: Auto-OEMs stornierten 2020 Chip-Aufträge. Als die Nachfrage 2021 zurückkam, bestellte jeder OEM mehr als nötig, um Allocation zu sichern. Knappheit verschärfte sich.
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