Die 7 wichtigsten Supply-Chain-KPIs · und wie man sie liest
Die 7 SCM-Kernkennzahlen: (1) DSO, wie schnell zahlen Kunden, (2) DPO, wie lange zahlen wir Lieferanten, (3) Inventory Turn, wie oft dreht der Bestand pro Jahr, (4) OTIF. On-Time-In-Full-Liefertreue, (5) Cash-to-Cash-Cycle, gebundenes Kapital in Tagen, (6) Forecast Accuracy, wie genau ist die Prognose, (7) Order-Cycle-Time. Zeit von Order bis Anlieferung.
Es gibt Hunderte SCM-Kennzahlen. Wer alle steuert, steuert keine. Die folgenden 7 sind der konsensfähige Mindeststandard, abgestimmt mit dem APICS/ASCM SCOR-Modell (Plan, Source, Make, Deliver, Return).
DSO · Days Sales Outstanding
Forderungslaufzeit: (Forderungen / Umsatz) × 365. Misst, wie schnell Kunden zahlen. Benchmark: 30–45 Tage in Industrie, <30 in B2C. Hoher DSO = Liquiditätsproblem oder Mahnwesen-Schwäche. Vorsicht: hohe Boni-Druck kann zu Channel-Stuffing führen. DSO steigt scheinbar gesund.
DPO · Days Payable Outstanding
Verbindlichkeitslaufzeit: (Verbindlichkeiten / Wareneinsatz) × 365. Wie lange behält das Unternehmen Cash bevor es an Lieferanten zahlt? Höher = besser für Liquidität, schlechter für Lieferantenbeziehung. Großkonzerne nutzen 60–90 Tage als Hebel, kleinere Lieferanten brechen darunter zusammen.
Inventory Turn (Lagerumschlag)
Umsatzkosten / Durchschnittsbestand. Wie oft dreht sich der Bestand pro Jahr. Discount-Retail: 12–25×. Industrie: 4–8×. Spezialchemie: 2–4×. Niedrige Turn = totes Kapital, hohe Turn = Stockout-Risiko. Immer in Kombination mit Service-Level betrachten.
OTIF · On-Time-In-Full
Anteil Bestellungen, die pünktlich UND vollständig geliefert wurden. Weltklasse: >95%. Bei kritischen Komponenten ist <90% schmerzhaft. OTIF wird oft als „On-Time“ gemessen ohne „In-Full“, wer beide separat erfasst, sieht die Wahrheit.
Cash-to-Cash-Cycle (C2C)
DSO + Days of Inventory − DPO. Wie viele Tage Kapital im Working Capital gebunden sind. Apple ist berühmt für negativen C2C, die zahlen Lieferanten erst, nachdem Kunden gezahlt haben. Mittelstand-Benchmark: 40–80 Tage. Hauptstellschraube: Bestand.
Forecast Accuracy
1 − MAPE (Mean Absolute Percentage Error). Wie nah die Prognose an der Realität liegt. Konsumgüter mit stabiler Nachfrage: 80–90%. Fashion oder Promotion-Geschäft: 50–70%. Wichtig: pro SKU-Cluster differenzieren – A/X-Teile sollten 85%+ erreichen, Z-Teile niemals.
Order-Cycle-Time
Durchschnittliche Zeit von Bestelleingang bis Auslieferung. Für Online-Retail: <2 Tage. B2B-Industrie: 5–14 Tage. Längere Zeiten erlauben weniger Bestand, kürzere Zeiten begeistern Kunden. Trade-off bewusst entscheiden.
Fazit
KPI-Trap: alle steigen, einer leidet
Klassischer Fehler: Lagerumschlag steigt → OTIF fällt, weil Sicherheitsbestände gestrichen wurden. Oder DSO sinkt → Umsatz bricht ein, weil Zahlungsziele zu kurz sind. KPIs nie isoliert, immer im Set lesen. Das SCOR-Modell empfiehlt: Reliability (OTIF), Responsiveness (OCT), Agility, Cost, Asset Efficiency (C2C), alle 5 im Cockpit.
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