Just-in-Time oder Just-in-Case, welche Strategie passt zu welcher Lieferkette?
Just-in-Time: Vorteile und Voraussetzungen
JIT spart Lagerkosten, deckt Qualitätsprobleme schnell auf (kein Puffer = keine Vertuschung), zwingt zu disziplinierter Prozessqualität. Voraussetzungen: stabile Nachfrage, kurze und zuverlässige Liefertakte, Lieferanten in geografischer Nähe, hohes Vertrauen, niedrige Variabilität. Klassisches Anwendungsfeld: Auto-Industrie mit Sequenz-Anlieferung.
Just-in-Case: Wann es sich lohnt
JIC ist sinnvoll für: kritische Single-Source-Komponenten ohne Substitute, lange und unsichere Wiederbeschaffungszeiten (z. B. Übersee-Halbleiter, Spezialchemie), volatile Nachfrage, regulierte Branchen (Pharma, Defense). Sheffi („The Resilient Enterprise“, 2005) zeigte: Resilienz-Investitionen rentieren sich überdurchschnittlich. Aktien resilient aufgestellter Firmen erholen sich nach Disruptionen schneller.
Der hybride Mittelweg
ABC/XYZ-Analyse pro SKU: A-Teile mit hoher Wertschöpfung und X-Stabilität → JIT. C-Teile mit niedrigem Wert und Z-Variabilität → großzügige Bestände. Strategische Engpass-Teile (z. B. Halbleiter 2021–2023) → JIC unabhängig vom Wertanteil. APICS/ASCM empfiehlt zudem dual-sourcing, postponement und modulare Produktarchitektur als ergänzende Strategien.
Kennzahlen für die Entscheidung
Inventory Turns, Days of Supply, Stock-Out-Quote, Total Cost of Ownership pro SKU. Christopher („Logistics & Supply Chain Management“, 5. Aufl. 2016) plädiert für „matching supply chain to product type“: funktionale Produkte → effizient/JIT, innovative Produkte → reaktionsfähig/JIC-nah.
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