Carbon Footprint der Supply Chain berechnen. Scope 1, 2 und 3 in 5 Schritten
Schritt 1: Systemgrenzen und Bilanzjahr festlegen. Schritt 2: Scope 1 (eigene Verbrennung) berechnen. Schritt 3: Scope 2 (eingekaufter Strom/Wärme), location- + market-based. Schritt 4: Scope 3 in 15 Kategorien (8 upstream, 7 downstream), pro Kategorie Methoden-Stufe wählen (Spend / Average / Supplier-specific). Schritt 5: Validierung, ESRS-E1-/CSRD-Reporting, externe Verifikation.
Eine vollständige Klimabilanz nach GHG Protocol ist die Grundlage für CSRD-Reporting, Science Based Targets und Kunden-Anfragen. Für die meisten Unternehmen liegt 70–90% der Emissionen in Scope 3, also außerhalb der eigenen Mauern. Das macht die Berechnung methodisch anspruchsvoll, aber nicht beliebig.
Systemgrenzen und Bilanzjahr definieren
Konsolidierungsansatz festlegen: operational control vs. financial control vs. equity share (GHG Protocol). Welche Tochterunternehmen, welche geleasten Anlagen werden einbezogen? Bilanzjahr = Geschäftsjahr. Basisjahr für Reduktionsziele markieren (häufig 2019 oder 2020). Wesentlichkeitsanalyse für Scope-3-Kategorien dokumentieren.
Scope 1 · direkte Emissionen
Eigene Verbrennungsprozesse: Heizungen (Erdgas, Heizöl), Fuhrpark (Diesel, Benzin), Prozesswärme, Notstromaggregate, Kältemittel-Leakage. Verbrauch (kWh, Liter, kg) × Emissionsfaktor (UBA, DEFRA, IPCC). Datenquelle: Energierechnungen, Tankbelege, Wartungsprotokolle.
Scope 2 · indirekte Energie
Eingekaufter Strom, Fernwärme, Dampf. Zwei Berechnungs-Methoden parallel angeben: location-based (regionaler Strommix-Faktor) und market-based (vertraglicher Faktor, z. B. Grünstrom mit Herkunftsnachweis). CSRD/ESRS E1 verlangt beide.
Scope 3 · die 15 Kategorien der Wertschöpfungskette
Upstream (1–8): Eingekaufte Güter, Kapitalgüter, Brennstoff-vorgelagert, Upstream-Transport, Betriebsabfall, Geschäftsreisen, Pendeln, Upstream-Leasing. Downstream (9–15): Downstream-Transport, Weiterverarbeitung, Nutzung verkaufter Produkte, End-of-Life, Downstream-Leasing, Franchises, Investitionen. Methoden-Mix: Top-20-Lieferanten supplier-specific (echte PCF), nächste 100 average-data, Long-Tail spend-based. Datenbanken: ecoinvent, GEMIS, DEFRA, idemat.
Validierung und Reporting
Interne Plausibilitätsprüfung: Emissions-Intensität pro € Umsatz mit Branchen-Benchmark vergleichen. Konsistenz über Jahre prüfen. Externe Verifikation (ISO 14064-3) für CSRD-Pflicht oder Glaubwürdigkeit. Reporting: ESRS E1 (CSRD), CDP Climate, Science Based Targets Initiative. Aktualisierung jährlich, Methoden-Notiz beifügen.
Fazit
Verbindliche Regulierung
Die EU-Richtlinie 2022/2464 (CSRD) macht Klimaberichterstattung verpflichtend, über die ESRS (insbesondere E1). Erste Anwendung für Geschäftsjahre ab 2024. Für Lieferketten zusätzlich relevant: EU-EUDR (Verordnung 2023/1115, Entwaldungs-freie Lieferketten), CBAM (Carbon Border Adjustment Mechanism) für Importe von Stahl, Aluminium, Zement, Düngemittel, Strom, Wasserstoff.
Hinweis
Dieser Artikel ersetzt keine Rechts- oder Wirtschaftsprüfungs-Beratung. Verbindliche Standards: GHG Protocol Corporate Standard, GHG Protocol Corporate Value Chain (Scope 3) Standard, ESRS E1, ISO 14064.
FAQs
Verwandt
Fachkraft für Supply-Chain-Management (IHK)
Im Lehrgang verwandelst du dieses Wissen in einen konkreten Umsetzungsplan — mit Templates, Use Cases und IHK-Zertifikat.
Kostenlos testenthekey.academy ist eine deutsche Online-Lernplattform für IHK-zertifizierte berufliche Weiterbildung — 25 Lehrgänge zu KI, Führung, Resilienz, Marketing und HR. 100 % online, self-paced, mit IHK-Zertifikat.
:quality(85))