Burnout
Syndrom aus drei Dimensionen, emotionale Erschöpfung, Zynismus/Distanzierung, reduzierte Leistungsfähigkeit (Maslach). Seit ICD-11 (2022) als „berufliches Phänomen“ (QD85) klassifiziert, ausdrücklich keine medizinische Diagnose, sondern ein Faktor, der den Gesundheitszustand beeinflusst.
Der Begriff wurde 1974 von Herbert Freudenberger geprägt, das wissenschaftlich tragfähige Modell stammt von Christina Maslach (UC Berkeley, ab 1981). Maslach Burnout Inventory (MBI) ist seit Jahrzehnten Standard-Messinstrument: 22 Items entlang der drei Dimensionen.
Die drei Burnout-Dimensionen (Maslach)
Emotionale Erschöpfung: Gefühl, ausgelaugt zu sein, „nichts mehr geben können“. Depersonalisation/Zynismus: Distanz, abwertende Haltung gegenüber Kollegen, Klienten, der Arbeit. Reduzierte persönliche Leistungsfähigkeit: Gefühl der Inkompetenz, sinkende Erfolgserlebnisse. Burnout ist nicht ein einzelnes Symptom, sondern das Zusammenspiel der drei.
ICD-11 Klassifikation
Seit Januar 2022 in ICD-11 als „berufliches Phänomen“ (Code QD85) gelistet. WHO-Definition: „Syndrom, das aus chronischem Stress am Arbeitsplatz resultiert, der nicht erfolgreich verarbeitet wurde.“ Wichtig: KEINE Krankheit im engeren Sinne, sondern Faktor, der den Gesundheitszustand beeinflusst. Behandelnde Ärzte können bei Burnout-Symptomatik trotzdem Krankschreibungen mit anderen Diagnosen (Anpassungsstörung, Depression) ausstellen.
Abgrenzung zur Depression
Burnout: arbeitsbezogen, oft mit Distanz vom Job-Kontext rückläufig. Depression: pervasiv, nicht arbeitsbezogen, klare medizinische Diagnose. In der Praxis Überlappung bei 30–50 % der Betroffenen, diagnostische Abklärung wichtig.
Beispiele aus der Praxis
Beispiel sozialer Beruf: Sozialarbeiterin nach 8 Jahren Jugendamt. Klassisches Vollbild: emotionale Erschöpfung („komme nach Hause und bin leer“), Zynismus („Familien sind eh nicht zu retten“), reduzierte Wirksamkeit („ich erreiche nichts mehr“). Sechs Wochen Reha + Arbeitsplatzwechsel führten zu Rückbildung.
Beispiel Tech-Branche: Entwickler in einem Start-up, 60-Stunden-Wochen über 18 Monate. Erschöpfung + sinkende Code-Qualität (Wirksamkeits-Wahrnehmung), aber wenig Zynismus, fühlt sich der Sache verbunden. Frühphase, klassischer Kandidat für Verhaltensänderung + organisationale Maßnahmen, bevor Vollbild entsteht.
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