Work & Wellbeing

Boreout

Zustand chronischer Unterforderung am Arbeitsplatz mit ähnlich belastenden Folgen wie Burnout. Konzept von Philippe Rothlin & Peter R. Werder (Schweizer Unternehmensberater, „Diagnose Boreout“ 2007). Drei Komponenten: Unterforderung, Langeweile, Desinteresse.

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Boreout ist nicht „faul sein“ oder „wenig zu tun haben“. Es ist die längere Diskrepanz zwischen den eigenen Fähigkeiten/Ambitionen und der tatsächlichen Aufgabenmenge oder -tiefe. Wer sich permanent unter Wert beschäftigt erlebt, entwickelt ähnliche Symptome wie bei chronischer Überforderung: Erschöpfung (paradox bei wenig Arbeit), Antriebslosigkeit, depressive Verstimmungen.

Die drei Boreout-Komponenten

Unterforderung (qualitativ oder quantitativ zu wenig), Langeweile (kein intrinsischer Reiz), Desinteresse (innere Distanz, keine Identifikation). Typisch: viel Aufwand für die Verschleierung. Surfen, scheinbares Arbeiten, lange Pausen-Verstecke. Diese Verschleierungsenergie ist selbst belastend.

Wissenschaftliche Einordnung

Anders als Burnout ist Boreout (noch) kein etabliertes klinisches Konzept und nicht in ICD-11 gelistet. Stadler & Spieß (2019) konnten aber zeigen, dass Beschäftigte mit hoher Unterforderung höhere Werte für Erschöpfung und psychosomatische Beschwerden aufweisen als angemessen Geforderte. Verwandte etablierte Konzepte: Job-Demand-Control-Modell (Karasek), Job-Crafting (Wrzesniewski & Dutton).

Maßnahmen

Job-Crafting (Aufgaben aktiv umgestalten), Lateral-Move (gleiche Ebene, andere Aufgaben), neue Verantwortlichkeiten verhandeln, Weiterbildung, im Notfall Wechsel. Wichtig: Boreout offen ansprechen ist riskant, viele Vorgesetzte interpretieren es als Beschwerde statt als Wachstumssignal. Lieber konkretes „Ich würde gerne X übernehmen“ als „mir ist langweilig“.

Beispiele aus der Praxis

Beispiel Verwaltung: Sachbearbeiter mit überdurchschnittlicher Qualifikation in einer routinierten Funktion seit 7 Jahren. Tagespensum in 3 Stunden erledigt, Rest wird gestreckt. Erschöpfung am Abend, obwohl die Belastung objektiv niedrig ist. Auflösung: Wechsel in Projekt-Funktion derselben Behörde. Symptome rückläufig in 8 Wochen.

Beispiel Konzern: Senior Manager nach Restrukturierung: Verantwortlichkeiten weggekürzt, Titel bleibt. „Bullshit-Job“-Phänomen (Graeber 2018). Hoher Status, niedrige Wirksamkeit. Klassischer Boreout-Treiber, oft gepaart mit dem Gefühl, nicht offen wechseln zu dürfen („wer würde diesen Titel und das Gehalt aufgeben?“).

KI-Begriff erklärt · Boreout

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