Diversity & Inclusion

Wie setze ich inklusive Sprache im Arbeitsalltag praktikabel um, ohne Sternchen-Krieg?

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Warum es überhaupt wichtig ist

Studien (Stahlberg et al., FU Berlin) zeigen: Beim generischen Maskulinum („die Ärzte“) denken Lesende zu 70–80 % an Männer. Mädchen bewerben sich seltener auf „Ingenieur gesucht“ als auf „Ingenieurin/Ingenieur gesucht“. Sprache formt das Vorstellbare. Wer Diversity ernst meint, lässt nicht zu, dass die Sprache zu Hälfte der Belegschaft konsequent passt.

Die 4 wichtigsten praktischen Werkzeuge

(1) Neutrale Funktionsbezeichnungen – „Mitarbeitende“, „Studierende“, „Team“, „Leitung“. Lesbar, ohne Sternchen. (2) Substantivierungen vermeiden – „Wer ein Anliegen hat…“ statt „Der Antragsteller“. (3) Doppelnennung bei Anreden – „Sehr geehrte Damen und Herren“, „Liebe Kolleginnen und Kollegen“. (4) Gendersternchen/Doppelpunkt nur dort einsetzen, wo es nicht-binäre Personen sichtbar einschließen soll, typisch in Stellenausschreibungen („m/w/d“) oder offiziellen Mitarbeitenden-Adressen.

Was im Alltag wirklich Reibung erzeugt, und wie man damit umgeht

Drei typische Konfliktpunkte: (a) Lesbarkeit, viele Sternchen-Formen lesen sich sperrig. Lösung: Neutrale Formen bevorzugen, Sternchen sparsam. (b) Generations-Konflikte, ältere Kollegen empfinden Vorgaben als bevormundend. Lösung: Begründung („damit niemand sich übergangen fühlt“) statt Pflicht. (c) Stilfreiheit für Externe. Texte von Gastautor nicht zwangsumformatieren. Stattdessen Style-Guide bei Briefing kommunizieren.

Style-Guide-Empfehlung für Unternehmen

Die meisten DAX-Unternehmen haben heute einen Diversity-Style-Guide (z. B. Allianz, SAP, Telekom, alle öffentlich). Typische Struktur: 1) Default ist neutrale Form. 2) Doppelnennung bei förmlichen Anreden. 3) Doppelpunkt-Form (Mitarbeiter) für Stellenausschreibungen, HR-Kommunikation, Diversity-Bezogenes. 4) Verzicht auf Stereotype-Wörter („Brainstorming“ statt „Mannschaftsleistung“). Ein 2-Seiten-Guide reicht. Hauptsache, jemand entscheidet und es bleibt konsistent.

Über das Geschlecht hinaus

Inklusive Sprache umfasst mehr als Gendern: respektvolle Behinderungs-Begriffe („Person mit Behinderung“ statt „Behinderter“), keine herabsetzenden Redewendungen („das ist behindert“, „Zigeunerschnitzel“), kulturelle Begriffe in der Zielgruppensprache („Schwarze Menschen“. Großschreibung als politischer Selbstbezeichnung). Faustregel: Wie die betroffene Gruppe sich selbst bezeichnet, ist die richtige Form.

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