Prozessmanagement

5 Prozess-Notationen im Vergleich: BPMN, EPK, Flowchart, Swimlane, Value Stream Map

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In einem Satz

BPMN 2.0 ist der internationale Standard für detaillierte Geschäftsprozesse mit Entscheidungslogik und mehreren Beteiligten, ideal für IT-Umsetzung. EPK (Ereignisgesteuerte Prozesskette) ist deutscher SAP-Klassiker aus den 1990ern. Flowchart eignet sich für einfache Abläufe ohne Rollen. Swimlane-Diagramme zeigen Verantwortlichkeiten zwischen Abteilungen. Value Stream Map (VSM) misst Wertschöpfung und Wartezeiten, das Lean-Werkzeug für Wertstrom-Optimierung. Faustregel: BPMN für IT-getriebene Prozesse, Swimlane für Workshops, VSM für Lean-Initiativen.

Eine Notation ist nur ein Werkzeug. Wer einen Hammer hat, sieht überall Nägel, wer nur BPMN kann, modelliert alles in BPMN. Die fünf Notationen unten haben jeweils ihren Sweet Spot. Wer sie kennt, wählt schneller und kommuniziert klarer.

Reihenfolge der Vorstellung: vom Detailliertesten (BPMN) zum Spezialisiertesten (VSM). Jede Notation mit ihrem Ursprung, ihrer Stärke, ihrer Schwäche und einem typischen Einsatzfall.

1

BPMN 2.0 · der internationale Standard

Business Process Model and Notation, OMG-Standard seit 2011. Vier Kern-Elemente: Aktivitäten (Rechteck), Gateways (Raute), Events (Kreis), Sequence Flows (Pfeil), plus Pools/Lanes für Verantwortlichkeiten. Stärke: präzise Entscheidungslogik, direkt in Workflow-Engines (Camunda, Bizagi, Signavio) ausführbar. Schwäche: Symbol-Vielfalt, über 100 Elemente, Workshops brauchen Vorbereitung. Einsatz: Wenn der Prozess von IT umgesetzt wird, BPMN ist die richtige Wahl.

2

EPK · die deutsche Tradition aus SAP-Zeiten

Ereignisgesteuerte Prozesskette, in den 1990ern an der Universität Saarbrücken (Scheer) entwickelt, eng mit ARIS und SAP verknüpft. Wechsel von Ereignis (Sechseck) zu Funktion (Rechteck), verbunden durch Operatoren (UND, ODER, XOR). Stärke: in deutschen Großunternehmen weit verbreitet, hohe ARIS-Tool-Unterstützung. Schwäche: international unbekannt, weniger ausdrucksstark als BPMN. Einsatz: Bestehende ARIS-Landschaften, klassische SAP-Prozessdokumentation.

3

Flowchart · der Klassiker für einfache Abläufe

Flussdiagramm nach ISO 5807. Start/Ende (abgerundetes Rechteck), Aktivität (Rechteck), Entscheidung (Raute). Seit den 1950ern in Software-Entwicklung etabliert. Stärke: jeder versteht es ohne Erklärung, in 5 Minuten gezeichnet. Schwäche: keine Rollen, keine parallelen Abläufe, keine Events. Einsatz: Persönliche Skizzen, Erklärungen für Nicht-Fachpublikum, einfache Entscheidungsbäume. Wer mehr braucht, wechselt zu BPMN.

4

Swimlane-Diagramm, wer macht was?

Cross-Functional Flowchart, von Geary Rummler und Alan Brache („Improving Performance“, 1990) populär gemacht. Horizontale oder vertikale „Schwimmbahnen“ pro Rolle oder Abteilung. Stärke: macht Übergaben und Verantwortlichkeitsbrüche sofort sichtbar, das Hauptproblem in vielen Prozessen. Schwäche: bei mehr als 6 Lanes unübersichtlich. Einsatz: Workshops mit mehreren Abteilungen, Audit-Vorbereitung, Schnittstellen-Analyse. Beste Brücke zwischen Business und IT.

5

Value Stream Map (VSM) · das Lean-Werkzeug

Wertstromanalyse aus dem Toyota Production System (Mike Rother & John Shook, „Learning to See“, 1999). Zeigt Material- und Informationsfluss vom Lieferanten zum Kunden, mit Bearbeitungszeit, Wartezeit und Beständen je Schritt. Stärke: macht Verschwendung quantitativ sichtbar, typisch: 95 % Wartezeit, 5 % wertschöpfende Zeit. Schwäche: nicht für IT-Umsetzung gedacht, eher hand-gezeichnet. Einsatz: Lean-Initiativen, Produktion, Logistik, Service-Prozesse mit langen Durchlaufzeiten.

Fazit

Entscheidungs-Matrix

Für IT-Umsetzung → BPMN. Für SAP-Landschaften → EPK. Für Workshops mit mehreren Abteilungen → Swimlane. Für Erklärung an Nicht-Fachleute → Flowchart. Für Lean-Optimierung → VSM. In der Praxis nutzen reife Prozessmanagement-Teams 2–3 Notationen parallel: Swimlane für den Workshop, BPMN für die Umsetzung, VSM für die Optimierungs-Initiative.

Werkzeuge

BPMN: Camunda Modeler (gratis), Signavio, Bizagi, draw.io. EPK: ARIS. Flowchart und Swimlane: Lucidchart, Miro, draw.io, Visio. VSM: meist Whiteboard oder Miro, die Hand-Skizze ist Teil der Methode.

FAQs

Soll ich BPMN oder EPK lernen?
EPK ist eine valide Notation und in deutschen Konzernen weit verbreitet, aber sie ist ein Auslaufmodell. Neue Prozessmanagement-Initiativen starten 2026 fast ausschließlich mit BPMN. Wer EPK pflegen muss (etwa in ARIS-Bestand), sollte sie kennen, aber neu lernen lohnt sich nur, wenn der Arbeitgeber dezidiert ARIS einsetzt.
Kann ich Notationen mischen?
Ein Diagramm sollte konsistent in einer Notation gehalten sein, sonst leidet die Lesbarkeit. Aber in einem Projekt nutzt du oft mehrere: Swimlane für die ersten Workshops (Verantwortlichkeiten klären), BPMN für die spätere IT-Umsetzung (Workflow-Engine), VSM zur Identifikation der Verbesserungspotenziale. Wichtig: Alle Diagramme im selben Repository ablegen und Versionen pflegen.
Wie detailliert soll ein Diagramm sein?
Die 7±2-Regel aus der Kognitionspsychologie (Miller, 1956) gilt auch für Diagramme: Menschen können nicht mehr als 5–9 Elemente gleichzeitig im Kopf halten. Praktisch: maximal 15 Aktivitäten pro Diagramm. Größere Prozesse in Sub-Prozesse modularisieren. BPMN hat dafür das „Call Activity“-Symbol. Eine Daumenregel aus der Praxis: passt es nicht auf eine A3-Seite mit 12-Punkt-Schrift, ist es zu komplex.
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