5 Konflikt-Eskalationsstufen nach Glasl, wann welche Intervention
Glasls Modell: 9 Stufen in 3 Phasen. Win-Win (1–3), Win-Lose (4–6), Lose-Lose (7–9). Faustregel: bis Stufe 3 Selbsthilfe, Stufen 4–6 brauchen Moderation/Mediation, ab Stufe 7 hilft nur noch ein autoritatives Eingreifen oder eine Trennung. Wer auf Stufe 7 noch „mal in Ruhe reden“ vorschlägt, hat das Modell nicht verstanden.
Friedrich Glasl beschrieb 1980 in „Konfliktmanagement“, wie Konflikte sich systematisch verschärfen, und zwar in 9 nummerierten Stufen, die er in 3 Hauptphasen gruppiert. Das Modell ist deshalb so nützlich, weil es zeigt: Die wirksame Intervention hängt davon ab, wo der Konflikt steht, nicht davon, was die Beteiligten subjektiv wollen.
Hier die 5 entscheidenden Stufen als Schnellüberblick, mit Symptomen und passender Intervention.
Stufe 1–3: Win-Win · Selbsthilfe reicht
Symptome: Verhärtung, Debatte, Taten statt Worte. Beide Seiten wollen noch eine Lösung, sind aber nicht mehr offen für den Standpunkt des anderen. Intervention: direkte Klärungsgespräche, Perspektivwechsel, Sachargumente. In dieser Phase reichen aktive Zuhörfähigkeiten und GFK noch aus. Führungskraft oder Beteiligte selbst können moderieren.
Stufe 4: Image-Kampagnen · Bündnisse und Gerüchte
Symptome: Es werden Verbündete gesucht, hinter dem Rücken geredet, Stereotypisierungen verstärken sich („typisch Vertrieb“, „die da oben“). Die Sachebene tritt zurück, die Person wird das Thema. Intervention: externe Moderation. Jetzt nicht mehr einer aus dem Team, eine neutrale dritte Person. Sonst kommt die Moderation selbst unter Verdacht.
Stufe 5–6: Gesichtsverlust + Drohstrategien · Win-Lose
Symptome: öffentliche Bloßstellung, Drohungen, Ultimaten. Beide Seiten sind überzeugt: einer muss verlieren. Intervention: formale Mediation oder schiedsähnliches Verfahren. Spielregeln und Vertraulichkeit werden zu zentralen Bedingungen. Vorgesetzte sollten jetzt nicht mehr selbst moderieren, externer Mediator.
Stufe 7–8: Begrenzte Vernichtungsschläge. Lose-Lose beginnt
Symptome: gezielte Schädigung des anderen wird in Kauf genommen, auch wenn man selbst Nachteile hat. Sabotage, Mobbing, gezielte Karriere-Schädigung. Intervention: autoritatives Eingreifen, ggf. juristisch. Mediation funktioniert hier in der Regel nicht mehr, die Verletzungen sind zu tief. Personelle Trennung steht im Raum.
Stufe 9: Gemeinsam in den Abgrund
Symptome: Selbstvernichtung wird in Kauf genommen, um den anderen zu schädigen. Beispiele: Whistleblowing aus Rache, Kündigung mit Schadenmaximierung, in extremen Fällen Gewalt. Intervention: das ist nicht mehr ein Konflikt, der „gelöst“ wird. Schutz aller Beteiligten, harte Trennung, ggf. Strafverfolgung. Im Unternehmenskontext glücklicherweise selten.
Fazit
Praktischer Nutzen: früh erkennen
Der größte Nutzen des Modells liegt nicht in Stufe 9, sondern in Stufe 3/4. Wer dort erkennt: „Das ist nicht mehr nur ein Streit, das wird gleich personenorientiert“, kann rechtzeitig externe Moderation einbinden. 80 % der eskalierten Konflikte hätten auf Stufe 3 mit 2 Stunden Klärungsgespräch enden können.
Was die Stufe NICHT sagt
Eskalationsstufe ist keine Charakterbewertung. Auch reife Menschen rutschen unter Druck auf höhere Stufen. Die Stufe beschreibt das System, nicht die Person. Diese Trennung hilft, ohne Vorwurf zu intervenieren.
FAQs
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