Wann Wasserfall, wann Scrum? Klare Entscheidungslogik
Die Stacey-Matrix als Entscheidungshilfe
Ralph Stacey trägt zwei Achsen auf: Anforderungs-Unklarheit (was sollen wir bauen?) und technische Unklarheit (wie bauen wir es?). Vier Felder: einfach (klassisch), kompliziert (klassisch mit Expertenwissen), komplex (agil), chaotisch (Krisenmanagement). Die meisten heutigen Wissensprojekte liegen im komplexen Feld, daher der Boom agiler Methoden seit 2001.
Wann eindeutig Wasserfall?
Wenn das Ziel hochpräzise vorgegeben ist (Brücke nach Bauplan), wenn Änderungen extrem teuer werden (Sondermaschinenbau), wenn Compliance-Audits jeden Schritt verlangen (Pharma, Medizintechnik), oder wenn nur einmalig und nicht iterativ ausgeliefert wird (physisches Produkt). Auch GPM-Projekte mit Festpreis-Auftrag laufen meist im Wasserfall, sonst eskaliert das Vertragsrisiko.
Wann eindeutig Scrum?
Wenn das Lernen wichtig ist (Produktentwicklung), wenn Nutzer-Feedback regelmäßig einfließen soll (B2C-Software, Marketing-Kampagnen), wenn das Team cross-funktional besetzt werden kann und wenn das Risiko in der Lösung steckt, nicht in der Ausführung. Indikator: Wenn der Auftraggeber selbst nicht genau weiß, was er will, ist Scrum besser als ein 60-Seiten-Lastenheft, das in 3 Monaten obsolet ist.
Hybrid · der Realfall
Beispiel: Großes ERP-Einführungsprojekt. Phasenstruktur (Initialisierung, Konzept, Realisierung, Rollout) klassisch, innerhalb der Realisierung arbeiten 4 Scrum-Teams in 2-Wochen-Sprints. Die Phasenwechsel sind klassische Quality Gates, der Tagesbetrieb läuft agil. Das ist Water-Scrum-Fall, pragmatisch, häufig, und in vielen Konzernen Standard.
Drei Fragen, die die Entscheidung treffen
1. Werden die Anforderungen in 3 Monaten noch dieselben sein? 2. Können wir alle 2–4 Wochen ein nutzbares Zwischenergebnis ausliefern? 3. Tolerieren Auftraggeber und Vertrag, dass der Endpunkt nicht ab Tag 1 feststeht? 3× Ja → Scrum. Mindestens 1× Nein → Wasserfall oder Hybrid.
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