KI-Kompetenz

Warum führt das Stufenmodell ANI, AGI, ASI in die Irre?

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Das verbreitete Stufenmodell der Künstlichen Intelligenz kennt drei Typen: ANI (schmale KI, spezialisiert auf eine klar umrissene Aufgabe), AGI (ein bislang theoretisches System, das viele verschiedene geistige Aufgaben auf menschlichem Niveau lösen könnte) und ASI (ein spekulatives System, dessen Fähigkeiten die menschlichen weit übertreffen würden). Alles, was wir heute nutzen, fällt in die erste Kategorie.

Der Lehrgang bezieht dazu eine klare Position: Als Leiter gelesen führt dieses Modell in die Irre. Anschaulich ist es, aber praxisfern, weil Fähigkeiten weder linear noch über alle Bereiche gleichmäßig wachsen. Wer nur die drei Sprossen kennt, kann eine zentrale Eigenschaft heutiger Systeme nicht ausdrücken.

Was die Leiter verschluckt

Nimm als Gedankenexperiment eine Radiologie-KI, die bei der Tumorerkennung nachweislich besser ist als die besten Fachleute. Ihr Leistungsniveau wäre dann übermenschlich. Gleichzeitig ist sie extrem spezialisiert und außerhalb dieser Aufgabe nicht einsetzbar. Auf der Leiter landet sie trotzdem in derselben Kategorie wie ein einfacher Chatbot: ANI. Genau diesen Unterschied kann das Modell nicht abbilden.

Das DeepMind-Raster: zwei unabhängige Achsen

Das 2023 veröffentlichte Bewertungsraster von Morris und Kollegen bei Google DeepMind ordnet KI-Systeme nach Leistung und Breite ein, statt sie auf eine einzige Leiter zu setzen. Für die Praxis zählen zwei Achsen, und sie sind voneinander unabhängig:

  • Leistungsniveau: Wie gut erfüllt das System seine Aufgabe? Von Anfänger über kompetent und Experte bis übermenschlich.

  • Generalität: Wie breit ist es einsetzbar? Von extrem spezialisiert bis allgemein.

Eine solche Radiologie-KI wäre damit sauber beschreibbar: übermenschlich und extrem spezialisiert. Ein Sprachmodell ordnest du nicht pauschal ein: Wo es beim Leistungsniveau steht, hängt von der konkreten Aufgabe ab. Auf einer Leiter ließe sich das nicht abbilden.

Die OpenAI-Leiter misst etwas anderes

Daneben zirkuliert eine fünfstufige Fähigkeits-Leiter, die OpenAI-Forschende intern beschrieben haben: Chatbot, Reasoner, Agent, Innovator, Organization. Ein offiziell veröffentlichter Standard ist das nicht, und sie misst auch nicht Allgemeinheit, sondern Autonomie und Problemlösungstiefe. Nach dieser Leiter stehen wir laut Lehrgang (Stand 2026) etwa zwischen Stufe 2 und 3.

Wozu du das brauchst

Mit dem Raster ordnest du Ankündigungen nüchtern ein: Statt „Ist das schon AGI?“ fragst du „Wie gut, und wie breit?“. Das schützt vor Über- und Unterschätzung zugleich. Um die Frage, wohin sich die Modelle entwickeln, geht es hier bewusst nicht, die behandelt der Beitrag KI-Zukunft: Prognosen bis 2030.

Quelle: Morris et al., „Levels of AGI for Operationalizing Progress on the Path to AGI“ (arXiv 2311.02462, 2023).

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